25 March 2026, 10:27

Kühne Schumann-Inszenierung in Hamburg polarisiert mit Klimakrise und Rassismus-Themen

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Kühne Schumann-Inszenierung in Hamburg polarisiert mit Klimakrise und Rassismus-Themen

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Robert Schumanns Das Paradies und die Peri

Unter der Regie von Tobias Kratzer hat die Hamburger Staatsoper eine provokante Neuinterpretation von Robert Schumanns Das Paradies und die Peri auf die Bühne gebracht. Die Premiere am 27. September 2025 löste sowohl begeisterten Applaus als auch vereinzelte Buhrufe aus, endete jedoch in stehenden Ovationen für Kratzers kühne künstlerische Vision. Die zeitgenössische Inszenierung verwebt moderne Themen – von rassistischer Ungerechtigkeit bis zur Klimakatastrophe – mit Schumanns Oratorium aus dem 19. Jahrhundert und markiert damit einen eindrucksvollen Einstand des Regisseurs als neuer Intendant des Hauses.

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Kratzer deutet Schumanns orientalische Erzählung mit drängenden Bezügen zur Gegenwart um. Der sterbende Jüngling, traditionell eine symbolträchtige Figur, erscheint hier als schwarzer Mann, der sich einem weißen Anführer widersetzet, während der Krieg durch alltägliche Stadtbewohner dargestellt wird, die in Konflikte hineingezwungen werden. Der dritte Akt des Oratoriums rückt die Klimakrise in den Fokus: Kinder sind unter einer Plastikkuppel gefangen, erstickt von Smog – ein Bild, das generationenübergreifende Verantwortung mit ökologischem Verfall verbindet.

Auf der Bühne verschwimmen die Grenzen zwischen Darstellern und Publikum. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, steigt ins Parkett hinab und setzt sich neben eine weinende Zuschauerin – eine Geste, die den Appell des Werks nach Empathie verkörpert. Omer Meir Wellber, der neue Generalmusikdirektor der Oper, dirigierte die Philharmoniker Hamburg in einer Aufführung, die die emotionale Wucht der Inszenierung unterstrich.

Die Premiere eröffnet eine Spielzeit innovativer Programmgestaltung unter Kratzers Leitung. Zu den kommenden Höhepunkten zählen Monster's Paradise sowie eine neu gefasste Version von Frauenliebe und -leben, Teil seiner Bestrebungen, das Opernhaus einem breiteren Hamburger Publikum zugänglich zu machen. Zwar bleibt unklar, wie genau die Inszenierung Themen wie Rassismus oder kollektive Schuld mit Schumanns Partitur verknüpft, doch die unmittelbare Dringlichkeit der Bühnenbilder ließ keinen Zweifel an ihren Ambitionen.

Die Mischung aus Konfrontation und Zärtlichkeit bescherte der Produktion eine gespaltene, letztlich aber triumphale Resonanz. Kratzers Vision für die Staatsoper – geprägt von gesellschaftlichem Engagement und künstlerischem Wagnis – steht nun im Mittelpunkt. Das Paradies und die Peri setzt den Ton. Ob diese Verbindung aus klassischer Tradition und radikaler Neuerfindung über den Premierenabend hinaus Anklang findet, werden die kommenden Vorstellungen zeigen.

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