Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben – Reform versagt vor Kostenexplosion
Gordon AdlerLokale Apotheken kämpfen ums Überleben – Reform versagt vor Kostenexplosion
Apotheken in ganz Deutschland stehen vor wachsender finanzieller Belastung – viele drohen zu schließen
Eine geplante Reform des Apothekenrechts hat die zentralen Probleme der Branche nicht gelöst. Inhaber und Verbände zeigen sich frustriert über steigende Kosten und unfaire Konkurrenz durch Online-Anbieter, die die Existenz vieler lokaler Apotheken bedrohen.
In Bielefeld hat sich die Lage zugespitzt. Bürgermeisterin Dr. Christiana Bauer traf sich kürzlich mit Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke, um über die wirtschaftlichen Herausforderungen zu sprechen, die das Überleben der Apotheken vor Ort gefährden.
Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren kontinuierlich. Anfang der 2010er-Jahre gab es bundesweit noch rund 20.000, doch bis Ende 2025 wird ihre Zahl voraussichtlich auf 16.601 geschrumpft sein – allein 2025 wurden 502 Schließungen verzeichnet. Hauptgründe sind wirtschaftliche Belastungen: staatlich festgelegte Gebühren stagnieren, während die Betriebskosten explodieren.
Seit 20 Jahren stiegen die staatlichen Vergütungen für Apotheken nur um 3,1 Prozent, doch die Personal- und Betriebskosten kletterten im gleichen Zeitraum um 65 Prozent. Mittlerweile ist ein Drittel aller Apotheken von akuter Insolvenzgefahr betroffen. Die geplante Reform sieht jedoch keine Erhöhung der geforderten Gebühren vor – stattdessen wird eine unbestimmte Verschiebung vorgeschlagen.
Kritisch ist auch die mögliche Verschlechterung der Patientenversorgung: Die Reform könnte die Pflicht aufheben, dass Apotheker:innen persönlich in der Apotheke anwesend sein müssen. Gleichzeitig untergraben Online-Apotheken lokale Betriebe, indem sie sich um umfassende pharmazeutische Beratungspflichten drücken.
Im Bielefelder Stadtteil Schildesche sind die Folgen bereits spürbar: Die Zahl der Apotheken sank von vier im Jahr 2012 auf nur noch eine im Jahr 2022. Hauke Stange, Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), informierte Bürgermeisterin Dr. Christiana Bauer – selbst Juristin – über die Probleme. Bauer setzt sich seit Langem dafür ein, Versandapotheken zu verbieten, wenn sie nicht dieselben Leistungen wie lokale Apotheken erbringen können.
Nach dem Gespräch kündigte Dr. Bauer an, sich auf Bundes- und Landesebene für stärkere Schutzmaßnahmen für Apotheken einzusetzen. Zudem will sie die lokalen Betriebe bei der Bewältigung des Fachkräftemangels in Bielefeld unterstützen.
Dass die Reform die Festpreisregelung für Medikamente nicht sichert, macht Verbraucher:innen und das Gesundheitssystem verwundbar. Ohne Kurskorrektur wird der Schwund an Apotheken vor Ort weitergehen – mit gravierenden Folgen für die Versorgung. Dr. Bauers Engagement könnte die Politik beeinflussen, doch es braucht sofortiges Handeln, um weitere Schließungen zu verhindern.