Niedersachsens riskanter Plan: Verpflichtende Sprachkurse vor der Einschulung ohne klare Umsetzung
Ignaz KreuselNiedersachsens riskanter Plan: Verpflichtende Sprachkurse vor der Einschulung ohne klare Umsetzung
Niedersachsen führt verpflichtende 'Einschulungskurse' für Kinder mit Sprachdefiziten ein
Bildungsministerin Dorothee Feller hat versprochen, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Schule beginnen soll. Doch der Plan wirft Fragen auf: Wo sollen die zusätzlichen Kurse stattfinden, wer unterrichtet sie – und wie werden sie finanziert? All das ist noch ungeklärt.
Die neue Regelung richtet sich an Kinder, deren Deutschkenntnisse in frühen Sprachstandstests als unzureichend eingestuft werden. Sie sollen vor der Einschulung verpflichtend an vorbereitenden Einschulungskursen teilnehmen. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch, dass bereits jedes dritte Kind im Land nicht über die nötigen Sprachkompetenzen verfügt. Allein 2023 mussten über 22.000 Erstklässler eine Klasse wiederholen.
Viele Schulen sind bereits jetzt am Limit. In Solingen etwa arbeiten Grundschulen an ihrer Kapazitätsgrenze und nutzen Provisorien wie Container für die Nachmittagsbetreuung. Platz für zusätzliche Einschulungskurse ist kaum zu finden, da die bestehenden Gebäude ausgelastet sind. Hinzu kommt der logistische Aufwand, Kinder mehrmals pro Woche von Kitas zu den Schulen zu bringen.
Kritiker bemängeln, dass das Problem damit nur von den Kitas an die Schulen verlagert wird. Sozialpädagog:innen, die ohnehin schon überlastet sind, könnten weiter unter Druck geraten – auf Kosten der Bildungsqualität. Lehrkräftemangel ist flächendeckend ein Problem, in manchen Regionen fallen Unterrichtsstunden bereits regelmäßig aus. Ohne zusätzliche Mittel für Bauvorhaben oder Personal bleibt der Plan der Landesregierung eher ein Konzept als eine umsetzbare Lösung.
Ziel der Einschulungskurse ist es, Sprachdefizite vor der Einschulung auszugleichen. Doch ohne ausreichend Räume, Personal oder Finanzierung droht die Umsetzung die bestehenden Herausforderungen noch zu verschärfen. Die Schulen in Niedersachsen könnten durch die neue Regelung bald vor noch größeren Problemen stehen.