NRW will erste klimaneutrale Industrieregion Europas mit Wasserstoff werden
Gordon AdlerNRW will erste klimaneutrale Industrieregion Europas mit Wasserstoff werden
Nordrhein-Westfalen treibt seine Pläne voran, zur ersten klimaneutralen Industrieregion Europas zu werden. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht die Wasserstofftechnologie, mit der bereits große Projekte umgesetzt werden, um die Emissionen in der Schwerindustrie und im Verkehrssektor zu senken. Dank seiner zentralen Lage und der gut ausgebauten Infrastruktur könnte das Bundesland zum Drehkreuz der entstehenden europäischen Wasserstoffwirtschaft werden.
Mehrere Leuchtturmprojekte zeigen bereits, wie grüner Wasserstoff eingesetzt werden kann. In Oberhausen versorgen das Vorreiterprojekt Trailblazer und das REFYNE-Programm in Wesseling als erste in Deutschland lokale Fabriken und den Verkehr mit klimaneutralem Wasserstoff. Gleichzeitig hat das Ziegelwerk Janinhoff in Münster bewiesen, wie traditionelle Industrien modernisiert werden können: Durch den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Wasserstoff lassen sich Emissionen reduzieren, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.
Die größte Hürde bleibt jedoch die Kostendifferenz zwischen grünem Wasserstoff und günstigeren fossilen Alternativen. Zwar bieten die vom Bund eingeführten Carbon Contracts for Difference (CCfD) kurzfristige finanzielle Unterstützung, doch langfristige Lösungen sind nötig. Öffentliche Beschaffungspolitik und Leitmärkte könnten helfen, diese Lücke zu schließen, indem sie die Nachfrage sichern und die Preise stabilisieren.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Versorgungssicherheit. Die H2.NRW-Wasserstoffkoordinierungsstelle fungiert inzwischen als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen und Akteure, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln und die dezentrale Produktion zu fördern. Trotz Fortschritten hat sich die geplante Kapazität für grünen Wasserstoff in Deutschland jedoch verzögert: Zwischen August 2024 und Dezember 2025 sank die geplante Leistung um 3 Gigawatt. Diese Verlangsamung könnte sich auf Stahl- und Chemieproduzenten auswirken, die auf erneuerbaren Wasserstoff für ihre Dekarbonisierung angewiesen sind.
Auch beim Infrastrukturausbau gibt es Fortschritte. Im Mai 2025 eröffnete Düsseldorf Europas leistungsstärkste Wasserstofftankstelle – ein Gemeinschaftsprojekt von H2 MOBILITY, Rheinbahn und Stadtwerke Düsseldorf. Wasserstoffbusse sind mittlerweile Teil des öffentlichen Nahverkehrs, und im Aero-Park in Würselen werden grüne Kraftstoffe sowie Elektroflugzeugtechnologien erprobt.
Die Wasserstoffstrategie Nordrhein-Westfalens verbindet politische Unterstützung, strategische Infrastruktur und konkrete Projekte, um die Industrieemissionen zu senken. Durch die Fokussierung auf Bedarfsermittlung, dezentrale Versorgung und öffentliche Beschaffung soll grüner Wasserstoff bezahlbar und zuverlässig werden. Gelingt dies, könnte das Bundesland zum Vorbild für Europas industriellen Wandel werden.