02 January 2026, 22:55

Paderborns Kirchen zwischen Abriss und Neuerfindung als Kulturorte

Eine Kirche ist prominent in der Mitte des Bildes zu sehen.

Paderborns Kirchen zwischen Abriss und Neuerfindung als Kulturorte

Zwei Kirchen in Paderborn schlagen unterschiedliche Wege ein, während das Erzbistum mit sinkenden Besucherzahlen kämpft. Die Gemeinde St. Kilian diskutiert, ob sie ihre Kirche aus den 1960er-Jahren aufgeben soll, während St. Heinrich ihre Kirche bereits in ein Gemeinschaftszentrum verwandelt hat. Die gegensätzlichen Ansätze spiegeln eine größere Debatte über die Zukunft katholischer Kirchen in der Region wider.

Die St.-Kilian-Kirche, ein markantes Beispiel brutalistischer Architektur mit einem 60 Meter hohen Turm, prägt seit den späten 1960er-Jahren das Bild der Pfarrei. Der Kirchenrat tendiert mittlerweile dazu, die Kirche vollständig zu verlassen. Doch Gemeindemitglieder wie Claudia Auffenberg, eine Trauerrednerin mit enger Verbindung zum Ort, sehen darin eine mögliche "Kulturkirche". Hier empfing sie ihre Erste Heilige Kommunion, später nahm sie in demselben Raum Abschied von ihrem Vater.

Die Gemeinde St. Heinrich hat unterdessen bereits mit der Umnutzung ihrer Kirche begonnen. Beichtstühle wichen einer Spielecke für Kinder, und der Raum wird als inklusiver Begegnungsort für Menschen aller Glaubensrichtungen – oder ohne Konfession – neu gedacht. Die Veränderungen markieren einen Bruch mit dem traditionellen Pfarrmodell der 1970er-Jahre, das für jede Gemeinde eine Kirche, ein Pfarrhaus und einen Gemeindesaal vorsah. Das Erzbistum Paderborn steht unter Druck, die Zahl seiner Kirchen zu verringern – pro Pfarrei soll nur noch eine bleiben. Doch im Vergleich zu anderen Bistümern in Nordrhein-Westfalen zieht es mit einer klaren Immobilienstrategie nach. Viele Kirchen in der Region wurden bereits umgenutzt, doch Paderborns Gemeinden arbeiten trotz schrumpfender Gemeinden noch immer mit veralteten Strukturen.

Die Diskussion um die Zukunft von St. Kilian und die bereits umgesetzte Transformation von St. Heinrich zeigen zwei mögliche Wege für Paderborns Kirchen auf. Angesichts rückläufiger Besucherzahlen und weniger aktiver Mitglieder muss das Erzbistum entscheiden, ob es seine Kirchen schließen, umwidmen oder neu erfinden will. Die Entscheidung wird prägen, wie diese Räume ihre Gemeinden künftig prägen – oder nicht mehr prägen können.