Pogo statt Ballett
Schalkes spektakuläre Wende in dieser Saison hat Fans und Kritiker gleichermaßen verblüfft. Der Verein, der noch vor kurzem gegen den Abstieg kämpfte und mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, steht nun kurz vor dem Aufstieg. Die Wiedergeburt begann mit einem mutigen Umbruch unter Frank Baumann und der Verpflichtung von Trainer Miron Muslić.
Bevor Muslić das Zepter übernahm, hatte Schalke zwei Jahre des Leidens hinter sich – zweimal entging der Club nur knapp dem Abstieg. Im vergangenen Mai verabschiedeten sich die Anhänger mit bitterem Beigeschmack von der Mannschaft, die die schlechteste Ligaplatzierung seit 121 Jahren hingelegt hatte. Die Probleme des Vereins reichten von sportlichem Versagen bis hin zu finanzieller Instabilität.
Baumann handelte entschlossen: Er formte den Kader um und reorganisierte die sportliche Führung. Bei seiner Suche nach einem neuen Trainer wurde er bei Plymouth Argyle, einem Zweitligisten aus England, fündig – und holte Muslić, um den Wandel einzuleiten. Mit begrenztem Budget, aber klarem Urteilsvermögen baute Baumann die Mannschaft neu auf, setzte auf Intensität und defensive Stabilität. Unter Muslić ist Schalkes Spielstil alles andere als verfeinert: Die Mannschaft liegt auf dem letzten Platz in Sachen Ballbesitz und auf Rang 18 bei der Passquote, setzt statt auf Finesse auf rohe Energie. Doch genau das trägt Früchte. Kein Team in der Liga läuft mehr Sprints als Schalke – ein unermüdlicher, hochaggressiver Fußball ist ihr Markenzeichen. Obwohl sie weniger Tore schießen als die Abstiegsrivalen Fürth und Dresden, kassierten sie in Deutschlands Top drei Ligen die wenigsten Gegentreffer. Der Aufstieg in dieser Saison wirkt fast wie ein Wunder.
Das Selbstvertrauen der Mannschaft ist gewachsen, und ihr direkter, kompromissloser Fußball bringt Ergebnisse. Historisch gesehen war Schalke stets dann erfolgreich, wenn der Verein auf eine schlichtere, körperbetontere Spielweise setzte. Jetzt zahlt sich diese Tradition erneut aus.
Sollte der Aufstieg gelingen, sieht die Zukunft des Vereins deutlich rosiger aus: Die Schulden würden schrumpfen, und der Stadion-Sponsor hat bereits bessere Konditionen zugesagt. Nach Jahren des Chaos rücken Stabilität – ja sogar Erfolg – endlich in greifbare Nähe.