24 March 2026, 16:31

Volksbühne startet mit achtstündigem Peer-Gynt-Marathon in die neue Spielzeit

Offenes Buch mit dem Titel 'The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts' mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Volksbühne startet mit achtstündigem Peer-Gynt-Marathon in die neue Spielzeit

Die neue Spielzeit an der Volksbühne startet mit einer kühnen Inszenierung von Peer Gynt

Die Regisseure Vegard Vinge und Ida Müller bringen Henrik Ibsens Stück als ein achtstündiges Theatermarathon auf die Bühne. Schon vor Vorstellungsbeginn tauchen die Zuschauer:innen in Müllers chaotische Wimmelbilder im Foyer ein – ein erster Vorgeschmack auf die ungestüme Energie der Produktion.

Vinge und Müllers Version von Peer Gynt verweigert sich einfacher Erzählstrukturen. Das Stück stürzt sich in brutale Abgründe, ohne klare Helden – nur Figuren, die zugleich Täter und Opfer sind. Vinge selbst übernimmt die Rolle des Peer, eines rücksichtslosen Teenagers, der mit Lügen aus seinem erstickenden Dorf zu fliehen versucht. Auf der Bühne watet er durch ein Meer verwerfener Gemälde und verkörpert den Künstler als stolzierenden Pfau.

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Die Aufführung sprengt Grenzen auf mehrfache Weise. Das Publikum darf Getränke und Snacks in den Saal mitbringen, was die Grenze zwischen Theater und Realität verwischt. Doch die Regisseure haben Zuschauer:innen bereits früher ausgeschlossen – ein Beweis dafür, wie sehr sie mit Erwartungen brechen. Diesmal läuft die Vorstellung so lange, wie es der Arbeitsschutz erlaubt: acht Stunden am Stück. Doch selbst dann wird um 2 Uhr morgens erst der erste Akt und ein Fragment des zweiten beendet sein.

Die Produktion markiert die Rückkehr des Totaltheater-Kollektivs von Vinge und Müller nach acht Jahren Abwesenheit von Berlin. Zu ihren früheren Projekten zählte ein temporäres Spielort in Reinickendorf, wo Vorstellungen nach unvorhersehbaren Zeitplänen stattfanden. Kürzlich wurden ihre Namen in Gesprächen über die Leitung der Volksbühne nach dem Tod René Polleschs genannt. Doch Budgetkürzungen durchkreuzten diese Pläne und führten zu ihrem vollständigen Rückzug vom Theater.

Dieser Peer-Gynt-Marathon steht für Vinges und Müllers trotziges Theaterverständnis. Er entreißt dem Publikum jede Bequemlichkeit und zwingt es, einer Welt ins Auge zu blicken, in der niemand unschuldig ist. Die Aufführung läuft, bis Sicherheitsvorschriften sie stoppen – und lässt Geschichte wie Erlebnis bewusst unvollendet.

Quelle