Warum der Neoliberalismus siegte – und seine Kritiker scheiterten
Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler zu erklären, wie der Neoliberalismus zum vorherrschenden globalen Wirtschaftsmodell wurde. Seit den 1970er-Jahren hat sein Aufstieg Gesellschaften umgestaltet, doch die Gründe für seinen Erfolg bleiben umstritten. Ein neuer Sammelband mit dem Titel Krise der Kritik hinterfragt gängige Annahmen, indem er sowohl die Stärke neoliberaler Politiken als auch die Schwächen der Gegenbewegungen analysiert.
Die Forschung zur globalen Wirkung des Neoliberalismus lässt sich meist in zwei Stränge unterteilen: Einer konzentriert sich auf strukturelle Veränderungen des Kapitalismus, der andere verfolgt die geistigen Ursprünge neoliberaler Ideen. Beide Ansätze zeigen, wie sozialdemokratische und linksliberale Parteien neoliberale Reformen oft nicht bekämpften, sondern als Lösungen für Krisen übernahmen.
Der Begriff "Neoliberalismus" selbst ist jedoch problematisch. Kritiker werfen ihm vor, er vereinfache eine komplexe Realität, indem er vielfältige Politiken unter einem einzigen Label zusammenfasse. Diese enge Perspektive lenke den Widerstand allein gegen den Neoliberalismus als eigenständige Ideologie – und vernachlässige weitergehende wirtschaftliche Kritik.
Der Wandel von systemischer zu konsumorientierter Kritik setzte bereits lange vor dem Höhepunkt des Neoliberalismus ein. Schon während des Nachkriegbooms existierten Konsumkritik und grundsätzliche Kapitalismuskritik nebeneinander. Der Sammelband Krise der Kritik legt nahe, dass dieser Übergang vielschichtig war und nicht allein von neoliberalen Kräften vorangetrieben wurde. Selbst die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990er-Jahren vermochte es nicht, starke antikapitalistische Bewegungen zu beleben – ein Zeichen für die schwindende Schlagkraft des Widerstands.
Um die letzten 50 Jahre zu verstehen, reicht es nicht aus, sich nur mit der Dominanz des Neoliberalismus zu beschäftigen. Der Niedergang systemischer Kritik und die Zersplitterung der Opposition spielten eine ebenso entscheidende Rolle. Ohne diese Schwächen zu adressieren, bleibt jede Herausforderung der heutigen Wirtschaftsordnung unvollständig.






