Zwischen Quotenhits und Skandalen: Wie das deutsche Fernsehprogramm polarisiert
Ignaz KreuselZwischen Quotenhits und Skandalen: Wie das deutsche Fernsehprogramm polarisiert
Deutsches Fernsehen erlebt Höhen und Tiefen
In den vergangenen Monaten zeigte sich das deutsche fernsehprogramm von seiner vielschichtigen Seite: zwischen preisgekrönten Quizshows und schlecht aufgenommenen Dramen mussten die Sender sowohl Lob als auch Kritik einstecken. Gleichzeitig sorgten interne Umbrüche bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten und juristische Auseinandersetzungen für zusätzliche Unruhe in der Branche.
Der ZDF-Erfolg Das Palais überzeugte zwar, doch nur die erste Folge verzeichnete starke Quoten. Ein weiterer Hit war Oktoberfest 1905, das trotz Vorwürfen historischer Ungenauigkeiten ein großes Publikum anzog. Zudem adaptierte der Sender Oskar Maria Grafs Roman Unruhe um einen Friedfertigen unter dem Titel Sturm am Horizont mit Josef Hader in der Hauptrolle.
Bei der ARD hatte die experimentelle Serie Mozart/Mozart mit schwachen schauspielerischen Leistungen, holprigen Dialogen und musikalischen Patzern zu kämpfen. Das True-Crime-Drama Mord auf dem Inka-Trail mit Nina Gummich als Ermittlerin Ursula Glück erhielt gemischte Kritiken. Gleichzeitig gerieten die Sportler-Dokumentationen des Senders in die Kritik, weil sie Jérôme Boateng porträtierten – einen verurteilten Straftäter wegen Körperverletzung.
Auch das Reality-TV blieb nicht ohne Eklats: Bei ProSieben gewann Alessia Herren die Show Deutschlands dümmster Promi, während Das Supertalent mit nur 1,38 Millionen Zuschauern endete. Der Sender strahlte zudem Heidifest aus, Heidi Klums Oktoberfest-Event, nur wenige Tage vor dem eigentlichen Volksfest. Ein weiterer Flop war die Daily-Soap Kochakademie, die nach wochenlangen schwachen Quoten abgesetzt wurde.
Hinter den Kulissen gab es bei RBB einen Wechsel in der Programmdirektion: Claudia Nothelle schied 2017 aus, ihr folgte Robert Skuppin, bevor Katrin Günter die Position übernahm. Nothelle setzte später einen juristischen Sieg durch und sicherte sich eine monatliche Rente von 8.400 Euro zusätzlich zu ihrem Hochschulgehalt. Beim NDR hingegen beendete man die Zusammenarbeit mit der Journalistin Julia Ruhs nach einer umstrittenen Folge ihrer Sendung Klar zum Thema Migration – sie bleibt jedoch beim BR beschäftigt.
Auch der Eurovision Song Contest sorgte für Schlagzeilen: Der NDR holte sich Stefan Raab als Partner für die Auswahl des deutschen Acts, Abor & Tynna, die schließlich Platz 15 belegten. Gleichzeitig entfachte die Forderung nach einem Boykott Israels als Teilnehmerland eine Debatte unter den konkurrierenden Nationen.
Die deutsche bahn bleibt unberechenbar: Während einige Formate wie Das Palais oder die Übertragungen der Frauen-Fußball-EM Erfolge feiern, scheitern andere schnell oder geraten in öffentliche Kontroversen. Während die Sender sich an veränderte Zuschauergewohnheiten anpassen, prägen rechtliche und ethische Herausforderungen weiterhin die Zukunft der Branche.